Mauerfall verbreitete Steinlaus

Heute jährt es sich zum 19. Mal: die Öffnung der deutsch-deutschen Mauer. Was danach geschah wissen wir: Die Wiedervereinigung Deutschlands und das fast vollständige Schwinden der Mauer selbst. Lange Jahre gingen Forscher davon aus, dass die geringe Population der Steinlaus damit in Zusammenhang stünde. Auch in der 258. Auflage des “Pschyrembel Klinisches Wörterbuch” von 1998 war  zu lesen: “Das Ausbleiben von Beobachtungen nach 1989 (256. Auflage dieses Werkes) scheint einerseits die Theorie zu bestätigen, nach der die St. den Fall der Berliner Mauer nicht nur ausgelöst [113], sondern dadurch auch zugleich zur Vernichtung ihrer Existenzgrundlage beigetragen habe.” Gleichwohl wurde diese Aussage bereits damals durch aktuelle Sichtungen entkräftet.

Die aktuelle These unter Zoologen ist, dass die Mauer das Steinlauswachstum und die Verbreitung des Tieres sogar begünstigte, aber verschleierte. Der Anteil an Zement und Beton in der innerdeutschen Mauer soll den kleinen Nager ungeheuer angezogen haben. Beton ist ein künstliches Gemisch aus Zement und Kies, Sand oder Splitt. Kalkstein, Ton und auch Erze können enthalten sein. “Wir wissen heutes, dass Beton für die Steinlaus sehr viel einfacher abzunagen und zu verdauen ist als natürliche Gesteine. Die bereits zermahlenen und gemischten Betonzusatzstoffe sind wie vorverdaut – also quasi das Fast Food der Steinlaus”, sagt Friedolin Kohlberg, Biologe und Steinlausforscher an der Humboldt-Universität Berlin (HU). Durch das erhöhte Nahrungsangebot sollen sich mauernahe Steinläuse überproportional vermehrt haben. Mit dem anschließenden Abtransport großer und kleiner Mauerstücke als Kunst, Mahnmal und Erinnerungsstücke in alle Welt soll laut Kohlberg diese große Population auseinandergerissen worden sein. Es dauerte rund zehn Jahre bis die umgesiedelten Einzeltiere neue funktionierende Populationen aufbauen konnten. Dann fielen sie erneut auf, wie beispielsweise 1999 die Wiener Zeitung über den Stephansdom berichtete. In einer Untersuchung zur Verbreitung von Steinläusen in wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland konnte deren Zahl bereits 2002 auf rund 113,3 Milliarden Tiere festgelegt werden.

About these ads

4 Kommentare

Eingeordnet unter Evolution und Historie, News und Erkenntnisse

4 Antworten zu “Mauerfall verbreitete Steinlaus

  1. Sehr geehrte Wissenschaftler,

    ich wage kaum, diese wissenschaftlichen Seiten mit einem Kommenar zu verunreinigen…

    Einfach so rausgeplärrt: Ich finde dieses Blog gigantisch! Und frage mich, warum es so lange gedauert hat, bis sich jemand dieses Themas angenommen hat. Ich meine, wie viele Neuauflagen haben wir durchgeblättert und den P. enttäuscht wieder zugeschlagen, weil wir nicht fanden, was wir suchten?

    Hätte ich die Macht, gäb’s den Nobelpreis. So eben leider nur das: http://ginasworld.wordpress.com/2008/11/10/preiswurdig/

    Hochachtungsvolle Grüße

    Gina

  2. Ganz herzlichen Dank für das Lob, das wir nur zurückgeben können. Ihr Blog hat uns sehr beeindruckt!

  3. Pingback: Aus BioLektors Notizenbuch » Blog Archiv » Steinlaus-Experten gesucht!

  4. Pingback: Dentaler Steinlaus-Notfall « Pschyrembel Weblog

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s