Geheimnis der Knollennase gelüftet

Zur systematischen Stellung der Steinlaus

Von Dr. Friedrich Kögel, München

Wissenschaftliche Erkenntnisse werden fleißig weitergegeben. Das ist gut so, wird aber dann fatal, wenn ohne Prüfung falsche Angaben übernommen werden. Ein solcher Fall liegt – wie aufwendige Untersuchungen ergaben – wohl bei der Steinlaus (Petrophaga loriotii) vor. Der Entdecker, Herr Vicco von Bülow, zählt das possierliche Tierchen zu den Nagetieren. Neueste Forschungen belegen jedoch, dass es sich hier um ein Insekt handelt.

Wenn man den Körperbau einer Steinlaus genau betrachtet, fallen folgende Eigentümlichkeiten auf:

– Gegliederte Antennen: Ein Merkmal, das typisch für die Gliederfüßer und damit auch die Insekten ist.
– Unterteilung des Körpers in Tergite und Sternite: Diese Rücken- und Bauchschilde kennzeichnen die Gliederfüßer, insbesondere die Insekten.
– 6 Beine: Innerhalb der Gliederfüßer haben nur die Insekten oder Hexapoda, wie sie früher treffend genannt wurden, 6 Beine. Dass sie bei der Steinlaus auch am Hinterkörper sitzen muss als ursprüngliches Merkmal gedeutet werden.

Die Kombination dieser Eigenheiten lässt nur den Schluss zu, dass es sich bei der Steinlaus um ein Insekt handelt. Bei Nagern und allen anderen Säugetieren gibt es derlei nicht.

Den unermüdlichen, einfallsreichen Untersuchungen der Fliegenforscherin und Nobelpreisträgerin Prof. Buddhane Küsslein-Knallhart haben wir bahnbrechende Erkenntnisse über die Genese der Knollennase zu verdanken. Es ist bekannt, dass Fliegen beim Schlüpfen ein Organ benutzen, das als Kopfblase oder Ptilinum bezeichnet wird und an eine Knollennase erinnert. Frau Küsslein-Knallhart konnte nun zeigen, dass bei der Steinlaus dieses Organ nicht rückgebildet wird, sondern zeitlebens erhalten bleibt. Das zeigt uns zweierlei: Zum einen muss die Steinlaus in die engere Verwandtschaft der (sekundär flügellosen) Fliegen gestellt werden. Zum anderen ist anzunehmen, dass wir mit der Steinlaus die Stammform aller Knollennasen gefunden haben.

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