Die Steinlaus im Dienst der Medizin

Untersuchungen zur Ernährung von Petrophaga loriotii

Von Dr. Friedrich Kögel, München

Bereits der Entdecker der Steinlaus, Herr Vicco von Bülow, berichtet in seiner bahnbrechenden Arbeit vom unermesslichen Hunger der Steinlaus: 28 kg Beton und Ziegelsteine benötigt ein geschlechtsreifes Tier zur täglichen Sättigung. Bisher war völlig unklar, wie solche Mengen verdaut werden können.

Der Heidelberger Biologe Prof. Volker Rabe konnte nun zeigen, dass es endosymbiontische Einzeller (Flagellaten) sind, die eine Steinlaus dazu befähigen. Ähnlich wie es Termiten dadurch möglich ist, Holz zu verwerten (und erhebliche wirtschaftliche Schäden anzurichten), gelingt es der Steinlaus auf diese Weise, Energie aus Steinen und Beton zu gewinnen. Die enorm hohe Stoffwechselrate hat freilich zur Folge, dass die Lebenserwartung mit 2-3 Jahren nicht allzu hoch ist.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Unterart, die in renommierten medizinischen Nachschlagewerken bereits beschriebene Nieren-Steinlaus. Sie nutzt zur Ernährung ausschließlich Calciumoxalat, den Hauptbestandteil der Nierensteine. Medizinern am Klinikum der Universität München-Großhadern ist es nun gelungen, diese Ernährungsweise zum schonenden Entfernen der Nierensteine zu nutzen.

Die nur 0,1 mm großen Nieren-Steinläuse werden dazu mit einer Spritze intravenös in den Körper injiziert. Auf chemotaktischem Weg, immer dem Calciumoxalat-Gradienten folgend, finden sie rasch die Nierensteine. Mit dem von Steinläusen bekanntem Heißhunger machen sie sich über die Konkremente her und können innerhalb weniger Stunden selbst einen 20 mm großen Stein abbauen – bei größeren Objekten dauert es entsprechend länger.

Das Besondere an dieser Methode: Die Behandlung ist praktisch frei von Nebenwirkungen. Geht den Nieren-Steinläusen die Nahrung aus, d.h. sind alle Steine abgebaut, verhungern die Tiere und werden vom Körper resorbiert. Zurzeit laufen Untersuchungen, in ähnlicher Weise auch Gallen- und Blasen-Steinläuse zu nutzen.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Die Steinlaus im Dienst der Medizin

  1. Wolf-R. Jonas

    Sehr schöne Methode!
    Wichtig scheint mir jedoch der „Warnhinweis“, dass einige Tiere ca. 2-3 Tage überleben können und dann mit dem Urin ausgeschieden werden. Bei Benutzung handelsübliche WC-Schüsseln kann dies zu Schwierigkeiten (Undichtigkeit ja Zerfall) führen, weshalb Edelstahl-Schüsseln nach einer derartigen Behandlung für % Tage benutzt werden sollten.

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