Petrophaga lorioti – eine neue Option in der Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen

Von Michael R. Preusch (1, 2) und Jerry Ricks (2)
1 Universitätsklinik Heidelberg, Innere Medizin III, 2 University of Washington, Dept. of Pathology, Seattle, USA

Ein deutsch-amerikanisches Forschungsteam konnte nun erstmalig den Effekt von Petrophaga lorioti auf Calciumablagerungen in atherosklerotisch veränderten Gefäßen untersuchen.

Die ApoE Knockout Maus stellt ein gängiges Tiermodell in der Atheroskleroseforschung dar. Diese Säuger weisen auf Grund eines Gendefektes bereits im Alter von wenigen Wochen massive atherosklerotische und calcifizierte Plaque im Gefäßsystem auf. In einem gemeinsamen Projekt der Universitäten Heidelberg und Washington State, Seattle, USA konnte nun erstmalig in-vivo der Erfolg einer Steinlaustherapie dargestellt werden.

ApoE Knockout Mäuse wurden hierzu mit Petrophaga lorioti infiziert. 10 Wochen nach Therapiebeginn wurden Gefäßproben aus dem Truncus brachiocephalicus entnommen und zur morphologischen Beurteilung histochemisch gefärbt. Die Entdeckung kann als kleine Sensation gewertet werden: In den calcifizierten Arealen der Plaque waren eindeutig Fraßspuren der Steinlaus nachzuweisen, in einigen Gewebeschnitten kam das Tierchen gar selbst zur Darstellung. Interessanterweise konnte Petrophaga loriotii ausschliesslich im Bereich massiv verkalkter Areale entdeckt werden, welches durch die calciumspezifische von Kossa Färbung bestätigt wurde. Petrophaga lorioti mag daher für späte Stadien der Atherosklerose eine therapeutische Option darstellen, ersetzt aber in keinem Fall eine ausgewogene Ernährung, sportliche Aktivität und den regelmäßigen Arztbesuch. Diese neuen, bahnbrechenden Erkenntnisse unterstützen die Theorie einer therapeutischen Option von Petrophaga lorioti bei kardiovaskulären Erkrankungen wie calcifizierte atherosklerotische Plaque oder die Aortenklappenstenose. Weitere Forschungsbemühungen sowohl hinsichtlich des therapeutischen Nutzens, als auch zum Schutz dieser nützlichen Spezies werden dringend benötigt.

steinlaus

Abbildungslegende: A Querschnitt des Truncus brachiocephalicus einer ApoE-Knockout Maus, 10 Wochen nach Infektion mit Petrophaga lorioti. Deutlich zu erkennen ist die massive atherosklerotische Plaque. Der calcifizierte, nekrotische Kern weist Fraßspuren der Steinlaus auf (Pfeil), welche im Zentrum eindeutig nachzuweisen ist. B von Kossa Färbung zum Calciumnachweis innerhalb einer atherosklerotischen Plaque (Pfeil). Die Fraßaktivitäten der Steinlaus beschränken sich ausschließlich auf die verkalkten Areale innerhalb der Plaque.

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