Archiv der Kategorie: Verhaltensforschung

Der Duft der Steinlaus

Echte Tierliebhaber kennen sich aus. Sie verstehen ihre Lieblinge mit allen Sinnen. Und wer gedacht hätte, das Riechen sei eher Sache der Tiere, irrt. Auch für ihre Halter spielt der Schnüffelfaktor eine wichtige Rolle. So behaupten Frettchen-Halter, diese würden nah Honig duften; manch eine Katze macht fiesen Gasen Konkurrenz; Hunde riechen nur bei Regen oder schlechter Ernährung streng; Schlangenduft erinnert irgendwie an Erde. Und Hamster Horst müffelt nach verbranntem Gummi.

Doch wie ist das mit Steinläusen? Wonach riechen diese? Wir haben Patienten befragt. Von 1.432 Steinlaus-Besitzern behaupten nur 18 Prozent, die Steinlaus sei geruchsneutral. 24 Prozent erahnen den Duft frisch geteerter Straßen, und 35 Prozent wollen einen Hauch von Pfefferminz wahrgenommen haben (die restlichen 23 Prozent verteilen sich auf Tilsiter, Buchsbaum, Weihrauch, das WC im 2.-Klasse-Abteil eines Zuges und den Sonnenuntergang nach einem herrlichen Frühlingstag).

Riechen Steinläuse nach Pfefferminz? Ist das möglich? „Ja“, sagt Dr. Horst Frisch, „Steinläuse haben sich einiges von uns abgeguckt. So auch das Kauen von Kaugummis zur Zahnpflege.“

Versehentlich verschluckte Kaugummis werden von Steinläusen „gerettet“, sobald diese den Pars thoracica passiert haben. Nach jeder ausgiebigen Steinmahlzeit, beißen die Tiere kurz auf einem Zahnpflege-Kaugummi herum. Damit sie auch morgen noch kräftig Steine mümmeln können.

Auch andere Tiere haben sich unsere Kaugummi-Gewohnheiten abgeguckt. Mit verheerenden Folgen:

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Nager im Einsatz

So putzig die Steinlaus auch sein mag – leider gibt es bisher zu wenige Aufnahmen von ihr beim Knabbern. Da macht ihr die Rennmaus Tina ganz schön Konkurrenz…

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Per aspera ad astra

Diese alte griechische Vasenmalerei zeigt, mit welcher Bewunderung man Steinlaus-Experten betrachtet.

Diese alte griechische Vasenmalerei zeigt, mit welcher Bewunderung man Steinlaus-Experten betrachtet.

Es zeigt sich, dass es kaum ein komplexeres Feld gibt als die Steinlaus-Forschung. Selbst hochdekorierte Wissenschaftler schrecken davor zurück, sich über dieses Gebiet zu äußern. Wir sprachen mit dem Psychologen Wilfried Sagenhaft über die Ursachen und warum es sich lohnt, gerade diese Spezies zu untersuchen.

Herr Sagenhaft, wo stecken die Steinlaus-Experten?

Wilfried Sagenhaft: Überall. In den Praxen, vor den Rechnern, auf archäologischen Ausgrabungsstätten, im OP. An sich gibt es keinen locum, an dem sich nicht gerade ein Steinlaus-Experte aufhält.

Hm, mir scheint das übertrieben…

Wilfried Sagenhaft: Nein, im Gegenteil. Es ist tatsächlich so, dass jeder Mensch das Forschungs-Gen Petrophaga lorioti incompertus in sich trägt. Denn: Nihil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit – wie wir Wissenschaftler so schön sagen.

Und warum bekommen wir davon nichts mit?

Wilfried Sagenhaft: Nun ja, es gilt auch: Omne initium difficile est. Aller Anfang ist schwer. Somit muss man erst seine innere obsidialim überwinden. Und ohne animum wird es nichts. Hinzu kommt, dass viele Forscher erst darauf warten, was andere veröffentlichen. Sie halten sich zurück, um dann mit brillanteren Ergebnissen zu glänzen. Admirabilis ist das nicht, aber ich kann es irgendwie verstehen.

Ist das nicht schade?

Wilfried Sagenhaft: Sehr sogar. Doch: Consuetudo quasi altera natura est. Und Gewohnheiten müssen durchbrochen werden. Dabei helfen wir Psychologen. Denn: Felix qui potuit rerum cognoscere causas. Meine Aufgabe ist es aufzuzeigen, dass man mit einem unerwarteten Verhalten mehr Erfolg hat.

Was bedeutet das bezogen auf die Steinlaus-Forschung?

Wilfried Sagenhaft: Wer in seine Forschungs-Ergebnisse in einer Zeit publiziert, in der es wenige Konkurrenten gibt, fällt auf. Interim fiet aliquid. Wir werden mit großen Schritten vorankommen.

Haben Sie einen Rat für unsere Leser?

Wilfried Sagenhaft: Legen Sie los. Jetzt. Es gibt kein Gut, kein Schlecht, kein Falsch, kein Richtig. Abzuwarten ist auf jeden Fall der falsche Weg. Fortes fortuna adiuvat!

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Depression nach Steinlaus-Befall

Eine Langzeitstudie mit Patienten, denen nach einem Steinbefund Steinläuse als Therapie verordnet worden waren, hat ergeben, dass es bei dieser Therapieform überdurchschnittlich häufig zu Depressionen bei den Patienten gekommen ist als bei herkömmlichen Maßnahmen. Prof. Dr. med. Heinz Felsenbrecher vom Institut für somatogene Depression vermutet als Ursache das Ausbleiben eines für das seelische Gleichgewicht notwendigen Prozesses: „Der Stein, der uns vom Herzen fällt, und die damit ausgeschütteten Endorphine tragen dazu bei, Depressionen zu verhindern.“ Die Steinläuse würden jedoch auch die Steine an den Herzen beseitigen, so dass diese nicht mehr fallen können. Glücksgefühle bleiben aus, und es kommt im Gegenteil zu einer Verdüsterung des Gemütszustandes.

Sackmann, M.; Bamberg

Müssen Gallensteine künftig wieder mit konservativen Methoden entfernt werden? Zum Beispiel durch die pharmak. Auflösung (Chemolyse) von überwiegend cholesterolhaltigen Gallensteinen durch Chenodesoxy- od. Ursodesoxycholsäure. Quelle: Sackmann, M.; Bamberg

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So läuft der Wettbewerb

Uns hat eine erste Einsendung für unseren Wettbewerb erreicht – und das obwohl er ja noch gar nicht gestartet ist. Das freut uns einerseits sehr, andererseits nehmen wir es zum Anlass, um noch einmal verkürzt auf die Spielregeln hinzuweisen.

Der Wettbewerb startet am 17. November 2008. Ab diesem Tag nehmen wir Ihre Forschungsarbeiten entgegen und veröffentlichen sie hier.

Einsendeschluss ist am 12. Januar 2009.

Und: es gibt zwei parallele Wettbewerbe. Sie können uns neue Texte mit medizinischem Hintergrund rund um die Steinlaus einreichen. Zweitens suchen wir neue Erkenntnisse zu ganz neuen Arten, Krankheit, Viren und allem, was Ihnen so einfällt – dokumentiert in Textform, mit Bildern oder Filmen. Kurz bevor es losgeht, erklären wir das aber gern nochmal. Bis dahin finden Sie alle Infos hier.

Zur Inspiration gibt es nun aber doch schon den ersten – sehr schönen – Beitrag von Steinlaus-Expertin Marlene Geselle. Danke dafür und Ihnen viel Spaß beim Lesen!

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Kumulation biogener Sedimentpartikel im Verdauungstrakt der Steinlaus bei der Todeszeitermittlung

de Gruyter, 2003

Der Verdauungstrakt, die Sammelbezeichnung für die anatomischen Strukturen zwischen Mundhöhle und After. Quelle: nach Waldeyer, A.; Mayet, A.: Anatomie des Menschen. 17. Aufl. Berlin: de Gruyter, 2003

Die Vorliebe der Steinlaus für biogene Sedimente wie z. B. Stein- oder Braunkohle gegenüber Eruptivgestein erlaubt es unter günstigen Umständen, vom Mageninhalt einer Steinlaus auf den Todeszeitpunkt bei Gewaltverbrechen zu schließen.

Prof. Dr. Steini Lausanus vom Statistischen Institut für Brikettforschung gelang der Nachweis, dass Braunkohlepartikel nur dann von der Steinlaus verzehrt werden, wenn zwischen dem Tod des Opfers und dem Eintreffen der Steinlaus nicht mehr als 15 Minuten vergangen sind.

Steinläuse meiden Kohlepartikel auf Menschenhaut, wenn diese mit mehr als 15 Minuten alten Schweißpartikeln kontaminiert sind. Ältere Schweißpartikel in Verbindung mit ganz frischem Menschenschweiß stören die Steinlaus nicht, jedoch führen ausschließlich ältere Schweißabsonderungen zum Missbehagen und zur Weigerung, Kohlepartikel zu verzehren.

Im Verdauungstrakt der Steinlaus sammeln sich Braunkohlepartikel über einen Zeitraum von zwölf Stunden an, um nach Ablauf dieser Frist komplett ausgeschieden zu werden. Aus der Länge des Verdauungstrakts, der Füllmenge und dem individuellen Appetit der Steinlaus (hier empfiehlt sich ein Beobachtungszeitraum von ca. 7 bis 12 Stunden) kann nicht nur auf die Verweildauer der Steinlaus auf dem menschlichen Körper, sondern auch auf den Todeszeitpunkt geschlossen werden.

Steinlausbefall ist bei Menschen aller Berufsgruppen und Wohnorte zu beobachten. Hier ist auf die Unterarten steinlausis holzii und steinlausis forellii zu achten, die ihre angestammten Lebensräume nur verlassen, um sich untereinander oder mit der gemeinen Steinlaus zu paaren. Bei Mischformen muss mit einer Beobachtungszeit von bis zu 17 Stunden gerechnet werden, um verlässliches Datenmaterial zu erhalten.

(Von Marlene Geselle, 21.10.08)

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Ausgewogene Haltung von Steinläusen in Kombination mit Blattläusen

Die Kopflaus ist der natürliche Gefährte der Steinlaus. An Blattläuse gewöhnt sie sich langsamer.

Die Kopflaus ist der natürliche Gefährte der Steinlaus. An Blattläuse gewöhnt sie sich langsamer. Quelle: Maier, W.; Bonn

Manchmal entstehen die dicksten Freundschaften, manchmal ist alle Mühe umsonst. Generell mögen Steinläuse jedoch das Zusammenleben mit Blattläusen und umgekehrt. Sie sollten dennoch behutsam vorgehen, wenn zu einer bereits vorhandenen Laus eine Neue einer fremden Art gesetzt werden soll. Zu Beginn Käfig an Käfig stellen, damit sich beide sehen und beschnuppern können. Später die Steinlaus im Käfig und die Blattlaus frei im Zimmer herumspringen lassen. Sobald sich die Tiere verträglich zeigen, lassen Sie beide in einem neutralen Raum, den die alteingesessene Laus nicht als Revier betrachtet frei laufen.

Achtung: Bitte aufpassen, dass sich die Steinlaus nicht an den Wänden zu schaffen macht. Bei zu heftigen Beißereien die dominante Laus an einen anderen Ort setzen und zu einem späteren Zeitpunkt nochmal eine Annäherung versuchen.

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