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Neue Steinlausart in Puderdose entdeckt

Von Simone Edelberg, München

Eine Münchner Wissenschaftlerin hat am vergangenen Freitag eine bislang unbekannte Art der gemeinen Steinlaus (Petrophaga lorioti) entdeckt. Sie sei per Zufall auf die Tiere gestoßen, als sie sich nach Dienstschluss die Nase pudern wollte, berichtet Professorin Inge Klampfl, Leiterin der Abteilung Steinlausforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die nach ihrem Lebensraum benannte Pudersteinlaus (Petrophaga pulviscula var. monacensis) zeichnet sich durch eine geringe Körpergröße von 0,1 bis 0,9 Millimetern, bronzefarbenen Pelz sowie einen leuchtend purpurrosa Kopf und mascaraschwarze Beine aus. Dass es sich dabei um eine neue Art handelt, entdeckten Klampfl und ihr Team allerdings erst durch umfangreiche Erbgut-Analysen und Zahnvergleiche von Steinlausfunden der vergangenen 33 Jahre. „Nicht nur vom Äußeren, auch vom Verhalten unterscheidet sich diese Art von anderen“, so Klampfl. „Die Pudersteinläuse leben in lockeren Familienverbänden und ernähren sich von den im Puder enthaltenen Kieselsäuren und Magnesiumsilikathydraten.“

Bislang konnten Pudersteinlauspopulationen in fünf Prozent der rund 100 untersuchten Puderdosen nachgewiesen werden. Die Steinlausforscherin hofft nun auf die Kooperationsbereitschaft der Kosmetikkonzerne. Aktuell bitten ihre Mitarbeiter weltweit Kosmetikfirmen darum, dem Münchner Institut kostenlos Proben aller auf dem Markt befindlichen Puder zu überlassen. „Die Besiedelung von Kosmetikprodukten ist im Tierreich eher ungewöhnlich“, sagt Klampfl. „Auffällig ist, dass wir bisher noch keine Pudersteinläuse in festem Puder gefunden haben. Sie scheinen losen Puder zu bevorzugen.“ Die Wissenschaftlerin will auch überprüfen, ob die Pudersteinläuse eine gesundheitsgefährdende Wirkung auf die menschliche Haut haben. Langfristig wäre dann das Überleben der Pudersteinlaus gefährdet. Klampfl: „Es wäre bedauerlich, wenn eine so spektakuläre Spezies durch den Hygienewahn der Menschen verschwindet.“

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Evolutionäre Klassifikation der Steinlaus weiter unsicher

Seit heute läuft der Countdown! Noch zehn Tage sind es, bis der Wettbewerb rundum die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse zur Steinlaus beendet ist. Den Beginn des „Endspurts“ nehmen wir zum Anlass, um auch andernorts veröffentlichte Forschungsergebnisse in den Diskurs mit einzubeziehen – speziell Realfotos und Mikroskopaufnahmen werfen neue Fragen in evolutionsbiologischer Hinsicht auf.

Schon seit 2002 ist ein erstes Bild einer vollständig erhaltenen versteinerten Steinlaus im Internet veröffentlicht. Klar erkennbar ist ein mehrfach gegliederter Körper, der uns aus ersten Zeichnungen der Knollennase bekannt ist. Prof. Dr. rer. nat. habil. Bernd Ullrich vom Institut der Geotechnik an der Technischen Universität Dresden fand 2007 eine milbenähnliche Art der Steinlaus und konnte sie erstmals unter dem Rasterelektronenmikroskop darstellen – ihr Name Anoplura lithoklasia loriotensis. Damit ordnet er zumindest diese Art den den Spinnentieren (Arachnida) im Stamm der Gliederfüßer zu.

Krebstiere gehören genauso wie Insekten und Milben zum Stamm der Gliederfüßer. Hat die Steinlaus ebenfalls einen Bezug zu diesem Stamm?

Krebstiere gehören genauso wie Insekten und Milben zum Stamm der Gliederfüßer. Hat die Steinlaus ebenfalls einen Bezug zu diesem Stamm?

Ebenfalls im Internet 2007 veröffentlicht ist die gestochen scharfe Aufnahme einer Steinlaus in ihrem natürlichem Umfeld. Deutlich zu sehen sind drei Beinpaare – ein Merkmal der Hexapoda, einer Überklasse der Insekten. Die Steinlaus sieht ihm ähnlich, sollte aber laut Experten der Universitäten Würzburg und Stuttgart nicht mit dem Bärtierchen verwechselt werden. Nicht unumstritten unter Forschern ist folgende Abbildung, die die Steinlaus eher in einen zoologischen Zusammenhang mit Weichtieren und Muscheln, anstatt mit Nagern stellt. Gegenstand heutiger Diskussionen ist u.a. die These, dass es sich hier möglicherweise um einen „missing link“ zwischen Säugetieren (Mammalia) und Weichtieren (Mollusca) handele. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bis dato keinesfalls geklärt scheint, welcher Klasse die Steinlaus angehört oder in welcher Systematik sie gesichert anzusiedeln ist.

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Einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr

Wo befindet sich dieses Schmankerl?

Wo befindet sich dieses Schmankerl?

Wir wünschen all unseren Leserinnen und Lesern ein glückliches und gesundes neues Jahr 2009! Viele inspirierende Gedanken und viel Glück bei der Teilnahme an unserem Wettbewerb.

Wer errät, wo sich der oben abgebildete Leckerbissen für unsere Steinlaus befindet, erhält eine Überraschung aus dem Hause Walter de Gruyter: Einfach in den Kommentaren raten, Einsendeschluss ist ebenfalls der 12.1.09.

Und immer schön dran denken: Steine  statt Böller…

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Prähistorischer Steinlausfund in Stonehenge

Von Dr. Werner Kurze, Neuhofen

In Stonehenge, Südengland, ungefähr 12 km nördlich von Salisbury, wurde ein sensationeller, prähistorischer Steinlausfund nahe der bekannten Megalithanlage gemacht.

In einer schieferähnlichen Platte fanden Forscher beim Spalten zunächst eine, spätere mehrere gut erhaltene, platt gedrückte Steinläuse, siehe Abbildung:

Platte Steinlaus

Platte Steinlaus

Nach Überprüfung des Fundes in drei unabhängigen Instituten für prähistorische Zoologie in London, Paris und Peking steht fest:

1. Es handelt sich um die Steinlaus Petrophaga lorioti.
2. Es handelt sich um die Art Petrophaga punctella lorioti, weil sie einen Wangenpunkt links (und vermutlich auch rechts) hat. Ob sie auch auf der rechten Seite diesen Punkt hat, wird gerade noch elektronenmikroskopisch untersucht.
3. Es ist die älteste bisher gefundene Steinlaus; sie wird vorläufig auf das 3.-2. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung datiert.

Folgende Forschungsarbeiten sind angelaufen:
1. Massenspektroskopische Materialuntersuchungen
2. Altersbestimmung nach der Methode des radioaktiven Kohlenstoffs

Die possierlichen, zarten Tiere sind vermutlich in kleine Felsspalten während einer Gesteinsverschiebung vor 4-5000 Jahren tödlich fest eingeklemmt worden und blieben uns so wie gepresste Blätter im Herbarium erhalten.

Anmerkung zum Namen Stonehenge:

Außer Prähistorikern und Zoologen haben unmittelbar nach diesem sensationellen Fund die Linguisten unter den Prähistorikern noch eine ganz neue Forschungsrichtung entdeckt. Der Wortteil henge könnte gemäß neuerdings vermuteter Sprachverschiebungen im Altenglischen von hen, zu deutsche von der Henne, abstammen. Danach würde Stonehenge Steinhenne bedeuten.

Vielleicht waren früher Hennen, die im steinigen Gelände grasten, Wirtstiere der Steinläuse? Es ist klar, dass nun die Forscher in Stonehenge intensiv nach prähistorischen Resten von Hennen suchen. Die zuständige Grabungsbehörde bittet daher um Verständnis wegen der dortigen weiträumigen Absperrungen für die hochinteressanten Grabungen.

Es könnte doch immerhin so gewesen sein, dass Stonehenge früher ein überdachter Hühner- und Hennenstall war, dessen Mauerwerk von Steinläusen z.T. aufgefressen wurde. Sensationell!

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Konkurrenz für die Steinlaus

Weniger Wurmfortsatz als Steinlaus-Mutant - der Steinwurm. Hier ein Operationssitus mit vorluxiertem Zökalpol und einer ausgeprägten phlegmonösen Appendizitis.

Weniger Wurmfortsatz als Steinlaus-Mutant - der Steinwurm. Hier ein Operationssitus mit vorluxiertem Zökalpol und einer ausgeprägten phlegmonösen Appendizitis.

Jetzt wurde doch tatsächlich ein weiteres steinfressendes Tierchen enteckt – der Steinwurm. Wer ihn näher untersuchen möchte, hier sehen Sie ihn beim Futtern. Was es mit dem Wurm auf sich hat, ist uns nicht bekannt. Eventuell handelt es sich dabei um eine neue Spezies. Doch irgendwie sieht er unserer Laus ganz schön ähnlich.

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Überraschender Fund im Sumpf: In Harz eingeschlossene Steinlaus entdeckt, vermutlich stammt sie aus der Jungsteinzeit

Das Körperfossil einer Steinlaus wurde kürzlich in einem Sumpf in der Nähe der Lüneburger Heide gefunden. Der Forscher Dr. Karl-Heinz Dotterbart wollte bestimmte Harze unter dem Mikroskop untersuchen und machte dabei diese außergewöhnliche Entdeckung. Das besondere an dieser in Bernstein eingeschlossenen Steinlaus: sie weist Rudimente auf. Die gefundene Steinlaus besitzt tatsächlich reduzierte Flügel. Dies bedeutet, dass Steinläuse vor langer Zeit (schätzungsweise noch in der Altsteinzeit) fliegen konnten. Un dmit Sicherheit gibt es viele weitere Arten.

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