Schlagwort-Archive: Geschichte

Riesensteinlaus fraß Saurier

Von Simone Edelberg, München

Türkische Wissenschaftler haben im Taurus-Gebirge die Überreste der größten bekannten Steinlaus aller Zeiten gefunden. Samira Canim vom staatlichen Naturkundemuseum in Ankara und ihr Kollege Mehmet Ali Acet waren in einer Höhle auf den 57 Zentimeter langen Schädel der urzeitlichen Riesensteinlaus gestoßen. Der Schädel sei außergewöhnlich gut und fast vollständig erhalten, berichten die Forscher. Grabungen in der Höhle brachten weitere 124 Knochen ans Tageslicht. Canim und Acet rekonstruierten das Skelett und gaben der gewaltigen Steinlaus den wissenschaftlichen Artnamen Petrophaga gigantica. Die Riesensteinlaus wog vermutlich 1 500 Kilogramm und war größer als ein Pferd. Sie besaß eine schützende Panzerung und kraftvolle Kiefer, mit denen sie neben Buntsandstein und Muschelkalk auch Dinosaurierküken und andere kleine Wirbeltiere verspeisen konnte. „Ihr Appetit muss grenzenlos gewesen sein“, so Canim.

Nach ersten vorsichtigen Schätzungen der Paläontologen bevölkerte die Riesensteinlaus vermutlich vor 65 bis 235 Millionen Jahren die Erde. Ihre Einordnung innerhalb der Steinlausfamilie bereitet den Wissenschaftlern allerdings Kopfzerbrechen. Immerhin werden ihre heute lebenden Verwandten nur wenige Millimeter groß. „Das Fossil bietet uns die einmalige Gelegenheit, das Cope’sche Gesetz zu widerlegen“, sagt Canim. Dieses behauptet einen Trend zur Größenzunahme der Arten im Laufe ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung, da ein größerer Körper einen oder mehrere Selektionsvorteile biete. Als solche Vorteile werden beispielsweise verbesserte Fähigkeiten, Beute zu fangen oder Verfolger abzuwehren sowie ein größerer Fortpflanzungserfolg angesehen. In den kommenden sechs Monaten will Canim nun den Fossilienfund weiter untersuchen und darüber in ihrer Doktorarbeit schreiben. „Ich werde auch prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Vorkommen der Riesensteinlaus und dem Aussterben der Dinosaurier gibt“, kündigt die Wissenschaftlerin an.

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Die Steinlaus

Von Dr. Werner Kurze, Neuhofen

Steinlaus hin, Steinlaus her,
wir vermissen Dich so sehr.
Jeder Doktor kennt Dich gut
und auch Grzimek machte Mut.

Doch der Duden kennt Dich nicht,
obgleich Du so’n süßer Wicht.
Die Pschyrembels helfen Dir,
gut zu leb’n wie’n Krabbeltier.

Doctor humoris causas Werk
soll gut leben mit Läuse-Zwerg!
Hoch soll sie leben, die kleine Laus!
Und damit ist die Laudatio aus.

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Evolutionäre Klassifikation der Steinlaus weiter unsicher

Seit heute läuft der Countdown! Noch zehn Tage sind es, bis der Wettbewerb rundum die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse zur Steinlaus beendet ist. Den Beginn des „Endspurts“ nehmen wir zum Anlass, um auch andernorts veröffentlichte Forschungsergebnisse in den Diskurs mit einzubeziehen – speziell Realfotos und Mikroskopaufnahmen werfen neue Fragen in evolutionsbiologischer Hinsicht auf.

Schon seit 2002 ist ein erstes Bild einer vollständig erhaltenen versteinerten Steinlaus im Internet veröffentlicht. Klar erkennbar ist ein mehrfach gegliederter Körper, der uns aus ersten Zeichnungen der Knollennase bekannt ist. Prof. Dr. rer. nat. habil. Bernd Ullrich vom Institut der Geotechnik an der Technischen Universität Dresden fand 2007 eine milbenähnliche Art der Steinlaus und konnte sie erstmals unter dem Rasterelektronenmikroskop darstellen – ihr Name Anoplura lithoklasia loriotensis. Damit ordnet er zumindest diese Art den den Spinnentieren (Arachnida) im Stamm der Gliederfüßer zu.

Krebstiere gehören genauso wie Insekten und Milben zum Stamm der Gliederfüßer. Hat die Steinlaus ebenfalls einen Bezug zu diesem Stamm?

Krebstiere gehören genauso wie Insekten und Milben zum Stamm der Gliederfüßer. Hat die Steinlaus ebenfalls einen Bezug zu diesem Stamm?

Ebenfalls im Internet 2007 veröffentlicht ist die gestochen scharfe Aufnahme einer Steinlaus in ihrem natürlichem Umfeld. Deutlich zu sehen sind drei Beinpaare – ein Merkmal der Hexapoda, einer Überklasse der Insekten. Die Steinlaus sieht ihm ähnlich, sollte aber laut Experten der Universitäten Würzburg und Stuttgart nicht mit dem Bärtierchen verwechselt werden. Nicht unumstritten unter Forschern ist folgende Abbildung, die die Steinlaus eher in einen zoologischen Zusammenhang mit Weichtieren und Muscheln, anstatt mit Nagern stellt. Gegenstand heutiger Diskussionen ist u.a. die These, dass es sich hier möglicherweise um einen „missing link“ zwischen Säugetieren (Mammalia) und Weichtieren (Mollusca) handele. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bis dato keinesfalls geklärt scheint, welcher Klasse die Steinlaus angehört oder in welcher Systematik sie gesichert anzusiedeln ist.

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Entwicklungsgeschichte der Steinlaus

Von Andreas Dombek, Konstanz

Seit 1860 kursieren Gerüchte, bereits gotische Steinmetze hätten eine Zahnsteinbehandlung gekannt, da an ihren bei Ausgrabungen gefundenen Zähnen kein Zahnstein nachweisbar ist.

In einer Forschungsgruppe um Prof. Klaus Zahn-Lauser von der Universität Lausitz wird dies nun untersucht, nachdem in Lausa bei Dresden hinter einer Steinfassade eine Kolonie Steinläuse Petrophaga entdeckt wurde.

Die Steinmetze hatten aus der Steinlaus Petrophaga romanici als Urinsteinfresser die steinfressende P. gotici und folgend die P. dentali für den Zahnsteinabtrag gezüchtet. Danach wurden Untergruppen selektiert, die in der Lage waren, sogar Abtrag an Stein-Skulpturen durchzuführen.
So wurde am Kopf die Kopflaus, am Körper die Körperlaus, an Kleidung die Kleiderlaus und an Barthaaren die Filzlaus eingesetzt.

Da aber während der Renaissance dieses Wissen verloren ging, haben sich die Läuse durch natürliche Kreuzung zu der gemeinen Steinlaus Petrophaga minerali entwickelt.
Aus der Kolonie in Lausa ist ein Pärchen geflüchtet und hat bei Prof. Grzimek-Loriot Asyl erhalten. Diese historische Tat würdigend, wird jetzt diese Steinlaus P. lorioti genannt.

Die Aussagen von Prof. Grzimek-Loriot bezüglich der Steinlaus wurden zunächst als kryptozoologisches Hirngespinst abgetan, wobei selbst Beweisführungen im Pschyrembel und in Filmbeiträgen keinen Erfolg hatten.

Die heutige Fressrate der Laus von 28 kg Mineral pro Tag ist als real anzusehen, zumal in alten Schriften ein Steinabtrag von 55 deutschen Pfund beschrieben wird. Da die mittelalterlichen Pfunde gewichtsdifferent waren, wird als Durchschnittswert das Pfund aus Nürnberg mit 510 Gramm angesetzt und somit 28,05 kg errechnet.
Die Kongruenz der Fressraten ist ein Beweis, dass es sich hier um keinen lausigen Steinabtrag handelt.

Das bisherige Kryptid Steinlaus Petrophaga lorioti ist nun als ein existierendes Tier anzuerkennen. Ein möglicher Einsatz in der Zahnmedizin und Urologie wird derzeit untersucht.

Entwicklungsdarstellung (vereinfacht) der Augen und Nase

Entwicklungsdarstellung (vereinfacht) der Augen und Nase

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Prähistorischer Steinlausfund in Stonehenge

Von Dr. Werner Kurze, Neuhofen

In Stonehenge, Südengland, ungefähr 12 km nördlich von Salisbury, wurde ein sensationeller, prähistorischer Steinlausfund nahe der bekannten Megalithanlage gemacht.

In einer schieferähnlichen Platte fanden Forscher beim Spalten zunächst eine, spätere mehrere gut erhaltene, platt gedrückte Steinläuse, siehe Abbildung:

Platte Steinlaus

Platte Steinlaus

Nach Überprüfung des Fundes in drei unabhängigen Instituten für prähistorische Zoologie in London, Paris und Peking steht fest:

1. Es handelt sich um die Steinlaus Petrophaga lorioti.
2. Es handelt sich um die Art Petrophaga punctella lorioti, weil sie einen Wangenpunkt links (und vermutlich auch rechts) hat. Ob sie auch auf der rechten Seite diesen Punkt hat, wird gerade noch elektronenmikroskopisch untersucht.
3. Es ist die älteste bisher gefundene Steinlaus; sie wird vorläufig auf das 3.-2. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung datiert.

Folgende Forschungsarbeiten sind angelaufen:
1. Massenspektroskopische Materialuntersuchungen
2. Altersbestimmung nach der Methode des radioaktiven Kohlenstoffs

Die possierlichen, zarten Tiere sind vermutlich in kleine Felsspalten während einer Gesteinsverschiebung vor 4-5000 Jahren tödlich fest eingeklemmt worden und blieben uns so wie gepresste Blätter im Herbarium erhalten.

Anmerkung zum Namen Stonehenge:

Außer Prähistorikern und Zoologen haben unmittelbar nach diesem sensationellen Fund die Linguisten unter den Prähistorikern noch eine ganz neue Forschungsrichtung entdeckt. Der Wortteil henge könnte gemäß neuerdings vermuteter Sprachverschiebungen im Altenglischen von hen, zu deutsche von der Henne, abstammen. Danach würde Stonehenge Steinhenne bedeuten.

Vielleicht waren früher Hennen, die im steinigen Gelände grasten, Wirtstiere der Steinläuse? Es ist klar, dass nun die Forscher in Stonehenge intensiv nach prähistorischen Resten von Hennen suchen. Die zuständige Grabungsbehörde bittet daher um Verständnis wegen der dortigen weiträumigen Absperrungen für die hochinteressanten Grabungen.

Es könnte doch immerhin so gewesen sein, dass Stonehenge früher ein überdachter Hühner- und Hennenstall war, dessen Mauerwerk von Steinläusen z.T. aufgefressen wurde. Sensationell!

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Mauerfall verbreitete Steinlaus

Heute jährt es sich zum 19. Mal: die Öffnung der deutsch-deutschen Mauer. Was danach geschah wissen wir: Die Wiedervereinigung Deutschlands und das fast vollständige Schwinden der Mauer selbst. Lange Jahre gingen Forscher davon aus, dass die geringe Population der Steinlaus damit in Zusammenhang stünde. Auch in der 258. Auflage des „Pschyrembel Klinisches Wörterbuch“ von 1998 war  zu lesen: „Das Ausbleiben von Beobachtungen nach 1989 (256. Auflage dieses Werkes) scheint einerseits die Theorie zu bestätigen, nach der die St. den Fall der Berliner Mauer nicht nur ausgelöst [113], sondern dadurch auch zugleich zur Vernichtung ihrer Existenzgrundlage beigetragen habe.“ Gleichwohl wurde diese Aussage bereits damals durch aktuelle Sichtungen entkräftet.

Die aktuelle These unter Zoologen ist, dass die Mauer das Steinlauswachstum und die Verbreitung des Tieres sogar begünstigte, aber verschleierte. Der Anteil an Zement und Beton in der innerdeutschen Mauer soll den kleinen Nager ungeheuer angezogen haben. Beton ist ein künstliches Gemisch aus Zement und Kies, Sand oder Splitt. Kalkstein, Ton und auch Erze können enthalten sein. „Wir wissen heutes, dass Beton für die Steinlaus sehr viel einfacher abzunagen und zu verdauen ist als natürliche Gesteine. Die bereits zermahlenen und gemischten Betonzusatzstoffe sind wie vorverdaut – also quasi das Fast Food der Steinlaus“, sagt Friedolin Kohlberg, Biologe und Steinlausforscher an der Humboldt-Universität Berlin (HU). Durch das erhöhte Nahrungsangebot sollen sich mauernahe Steinläuse überproportional vermehrt haben. Mit dem anschließenden Abtransport großer und kleiner Mauerstücke als Kunst, Mahnmal und Erinnerungsstücke in alle Welt soll laut Kohlberg diese große Population auseinandergerissen worden sein. Es dauerte rund zehn Jahre bis die umgesiedelten Einzeltiere neue funktionierende Populationen aufbauen konnten. Dann fielen sie erneut auf, wie beispielsweise 1999 die Wiener Zeitung über den Stephansdom berichtete. In einer Untersuchung zur Verbreitung von Steinläusen in wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland konnte deren Zahl bereits 2002 auf rund 113,3 Milliarden Tiere festgelegt werden.

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Petrophaga amphibica wichtig für Ökosystem Wattenmeer

Petrophaga amphibica ist noch zu wenig erforscht. Daher ist unklar, wie groß das Revier dieser Steinläuse in Watt und Meer ist.

Petrophaga amphibica ist noch zu wenig erforscht. Daher ist unklar, wie groß das Revier dieser Steinläuse in Watt und Meer ist.

Die so genannte Petrophaga amphibica ist bereits seit 1998 bekannt. Ebenfalls Stand der Wissenschaft war, dass diese Form der Steinlaus meist im Wasser zu Hause ist und nur zum Schlafen und zur Paarung an Land geht. Im Vergleich zur gemeinen Steinlaus (Petrophaga lorioti) weisen sie größere Augen auf, um unter Wasser scharf sehen zu können. Den Robben ähnlich können sie Nase und Ohren unter Wasser schließen. Ein verlangsamter Stoffwechsel ermöglicht den Tieren, rund fünf bis sechs Stunden unter Wasser zu bleiben.
Über ihre Ernährung hauptsächlich von Kieselsteinen trägt die Spezies zur allgemeinen Errosion und Versandung nachhaltig bei: Einerseits treibt die Petrophaga amphibica dadurch die Umwandlung von Stein- in Sandstrände in unseren Gefilden maßgeblich voran. Andererseits begünstigt dieses Verhalten die Versandung des Meeres im allgemeinen und damit auch die von Häfen und Flussbetten.
Seit neuestem gehen Meteorologen, Geologen und Meeresbiologen davon aus, dass die Petrophaga amphibica eine wichtige Rolle im niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Wattenmeer spielt. Sie soll bisherige Landverluste insbesondere der friesischen Inseln – etwa durch Sturmfluten – langfristig im Gleichgewicht gehalten haben. Darüber hat sie vielen heimischen Tieren den Lebensraum gesichert. Durch die globale Erwärmung und die dadurch bedingte Zunahme an Stürmen und den erhöhten Meerespiegel nehmen die Experten aber an, dass sich der Einfluss der Steinlaus auf die friesischen Inseln stark mindern wird.

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